COP30 in Belém: Zwischen zivilgesellschaftlicher Erwartung und diplomatischer Stagnation
2025/11/26 von Verena Lasso Mena
Seit der COP27 lässt sich eine thematische Entwicklungslinie nachvollziehen: In Sharm El Sheikh wurde der Loss-and-Damage-Mechanismus eingerichtet, auf der COP28 in Dubai wurde neben dem Global Stocktake erstmals ein globales Bekenntnis zur Abkehr von fossilen Energien formuliert, und die COP29 in Baku brachte erste Finanzzusagen für Loss and Damage. Diese Schritte rahmten die Erwartungen an die COP30 in Belém, wo viele Beobachter:innen auf weitere Konkretisierungen und Fortschritte hofften. Vom 10. bis 20. November war ich vor Ort in Belém und konnte sowohl offizielle Verhandlungen als auch eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen beobachten.
Zahlreiche Akteur:innen verknüpften mit Brasilien die Erwartung einer offeneren politischen Umgebung und stärkeren zivilgesellschaftlichen Teilhabe, insbesondere indigener, afrodeszendenter und weiterer marginalisierter Bewegungen. Zwar waren diese Stimmen auf der COP30 sichtbarer als in den Vorjahren, doch blieb ihr Einfluss auf die Verhandlungen begrenzt. Neben den offiziellen Verhandlungen wurde in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Foren auf anhaltenden Landraub, Vertreibungen sowie Gewalt gegen Umwelt- und Landverteidiger:innen hingewiesen. Betont wurde, dass effektive Klima- und Waldpolitik den Schutz der Verteidiger:innen voraussetzt und dass transparente Kompensationsmechanismen sowie echte Mitsprache unverzichtbar sind – gerade weil die größten Biodiversitätsräume in ihren Territorien liegen.
Inhaltlich brachte die COP30 nur geringe Fortschritte: Fossile Energien wurden im Abschlusstext nicht erwähnt, die Klimafinanzierung stagnierte und auch im Emissionshandel gab es keine Weiterentwicklungen. Geopolitische Spannungen und die ablehnende Haltung der USA gegenüber internationalen Klimaabkommen prägten die Verhandlungen zusätzlich. Aussagen wie jene des deutschen Bundeskanzlers, er sei „froh“, die Konferenz verlassen zu haben, verstärkten vor Ort vielfach den Eindruck einer fortbestehenden Distanz politischer Entscheidungsträger:innen aus industrialisierten Ländern gegenüber den Anliegen besonders betroffener Regionen und Gemeinschaften.
Für das Forschungsprojekt zur Transformation politischer Gewalt https://www.trace-center.de/ zeigt Belém eindrücklich, dass wirksame Klimapolitik untrennbar mit Fragen politischer Gewalt, Klimasicherheit und Demokratisierung verbunden ist und dass zukünftige Prozesse stärker von fossilen Einflussstrukturen entkoppelt werden müssen.